Gerne wird uns vor schwierigen Entscheidungen empfohlen: „Schlaf mal eine Nacht drüber.“ Doch treffen wir am nächsten Morgen bessere Entscheidungen?

Schlafen hilft

Die Forschung ist sich in einem einig: Entscheidungen können sich durch den Schlaf verändern. Im Schlaf verarbeiten wir intensiv unsere gewonnenen Eindrücke. Wir trennen dabei das Negative vom Positiven und das Wichtige vom Unwichtigen. Da stellt sich die Frage, ob unsere unterbewussten Verarbeitungsprozesse die Antwort auf unsere Entscheidungsfrage finden und uns am nächsten Morgen alles klar sein wird. Ohne, dass wir uns den Kopf zerbrechen mussten.

Der niederländische Sozialpsychologe Ap Dijksterhuis würde diese Frage wahrscheinlich mit ‚Ja‘ beantworten. Er und seine Kollegen führten 2006 in der Universität Amsterdam Untersuchungen zum Entscheidungsverhalten von Menschen durch. Diese führten zu dem Ergebnis, dass es nicht immer helfe, intensiv und bewusst nachzudenken, um die beste Entscheidung zu treffen. Stattdessen sollten wir, laut Dijksterhuis, bei wichtigen Entscheidungen weniger auf das Bewusstsein und mehr auf die unbewussten Denkprozesse vertrauen - also auch auf den Schlaf.

At some point in our evolution, we started to make decisions consciously, and we’re not very good at it. We should learn to let our unconscious handle the complicated things.
– Ap Dijksterhuis

Dijksterhuis und seine Kollegen zeigten in einer Untersuchung ihrer Studie jeweils zwei Probandengruppen einige Fakten von sich einander ähnelnden Produkten. Daraufhin konnte die eine Gruppe gründlich darüber nachdenken, für welches Produkt sie sich entscheiden würden. Die andere Gruppe beschäftigte sich derweil mit dem Lösen von Rätseln - demnach hatten sie keine Zeit, darüber zu grübeln. Sie sollten stattdessen spontan und aus dem Bauch heraus entscheiden. Schließlich stellte sich heraus, dass sich die Gruppe, die spontan entscheiden musste, am häufigsten für das beste Produkt entschieden hat.

Wie viel nehmen wir bewusst wahr?

Obwohl wir uns bemühen, eine sinnvolle Entscheidung zu treffen, kann das Gehirn bewusst nur eine begrenzte Anzahl an Informationen verarbeiten. Schätzungen zufolge bewältigt das Bewusstsein zudem nur maximal 50 Bits von Informationen pro Sekunde, während das Unbewusste sogar ca. 11 Millionen Bits schafft. Doch von diesen Millionen Bits drängt nur ein Bruchteil davon ins Bewusstsein. Der Hirnforscher Gerhard Roth schätzt, dass uns weniger als 0,1 Prozent unserer Gehirnaktivität aktuell bewusst wird, während der große Rest unbewusst stattfindet.

Während wir schlafen oder nicht nachdenken werden zudem spezifische Hirnregionen aktiv, die als Default Mode Network (Ruhezustandsnetzwerk) zusammengefasst werden. Diese Gebiete sind aktiver im Ruhezustand, als bei der Konzentration. Ein weiterer Beweis dafür, dass das Gehirn also auch im Ruhezustand aktiv ist.

Wie ihr seht, kann es manchmal gut sein, mal nicht bewusst über eine Entscheidung nachzudenken und stattdessen unseren unbewussten Denkprozessen die Arbeit zu überlassen, um dann auf am Morgen möglicherweise mit einer Antwort aufzuwachen.

Überlasst ihr auch wichtige Entscheidungen euren unbewussten Denkprozessen, oder entscheidet ihr lieber bewusst?

— Literatur: Dijksterhuis, A.: Das kluge Unbewusste: Denken mit Gefühl und Intuition, Stuttgart: Klett-Cotta: 2010